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Zapolu

28. Mai 2026, Luboš Zápotočný

Magento Open Source vs. Mage-OS vs. Adobe Commerce

Drei aktive Branches einer Plattform: woher sie kommen, was jede bietet und wie Sie wählen, ohne den Shop von einer fremden Roadmap abhängig zu machen.

Wer einen Shop auf Magento betreibt, wählt in Wirklichkeit zwischen drei Optionen, die Codebase und Namen gemeinsam haben: Magento Open Source, Mage-OS und Adobe Commerce. Die Unterschiede liegen weniger in den Features als in der Governance: wessen Prioritäten bestimmen, was aus der Plattform wird. Die Wahl ist damit weniger eine Technikfrage als eine Geschäftsentscheidung.

Jede Herstellerangabe unten verweist auf die Dokumentation des Herstellers, geprüft am 13. Juli 2026.

Wie es zu drei Branches kam

Adobe kaufte Magento 2018. Die kommerzielle Edition wurde zu Adobe Commerce, die freie Edition blieb als Magento Open Source verfügbar. Adobe veröffentlicht heute eine Magento-Release-Linie pro Jahr, 2.4.8 im April 2025 und 2.4.9 im Mai 2026, dazwischen Sicherheitspatches (Adobes Übersicht der Releases). Die Roadmap folgt dabei Adobes kommerziellen Interessen, was aus Adobes Sicht durchaus nachvollziehbar ist.

2022 reagierte ein Teil der Community mit der Gründung der Mage-OS Association, die Mage-OS herausgibt: eine von der Community verwaltete Distribution von Magento Open Source mit eigenem Release-Prozess. Die Distribution ist bewusst kompatibel: Ein Mage-OS-Shop ist weiterhin ein Magento-Shop, Extensions funktionieren weiter, Entwickler müssen nicht umlernen. Geändert hat sich, wer entscheidet und wie schnell Fixes ausgeliefert werden.

Was die drei jeweils bieten

Magento Open Source ist der Default für alle, die keine aktive Entscheidung treffen. Es ist kostenlos und es funktioniert, in dem Tempo, das Adobe vorgibt. Das Risiko ist ein langsames Abdriften, bei dem die Fixes, die Sie brauchen, auf Releases warten, die um ein Produkt herum geplant werden, das Sie nie gekauft haben.

Mage-OS ist dieselbe Plattform, nur liegt die Governance bei der Community. Die Association gibt als Grundsatz an, Patches auszuliefern, sobald die Community sie validiert hat, statt auf einen Firmen-Releaseplan zu warten, und die Anreize des Projekts liegen bei den Open-Source-Händlern, nicht beim Verkauf von Enterprise-Lizenzen (Mage-OS FAQ). Wir haben das nicht selbst mit Adobes Release-Rhythmus verglichen. Der Trade-off: Als Institution ist Mage-OS jünger. Sie vertrauen einem Verein statt einem Konzern, was andere Risiken bedeutet, nicht weniger.

Adobe Commerce ist ein anderes kommerzielles Angebot: Managed Cloud-Hosting mit SLAs, Enterprise-Supportverträge und Extensions, die Adobe sonst niemandem liefert. Die größte davon ist Adobe Commerce B2B: Unternehmenskonten, freigegebene Kataloge, verhandelbare Angebote und Anforderungslisten. Lesen Sie die Lizenzbedingungen genau: Adobe führt B2B als Extension für Adobe Commerce, die eine eigene Lizenz verlangt, sie steckt also nicht schon in der Adobe-Commerce-Grundgebühr (Extensions von Adobe). Wenn Sie das alles tatsächlich brauchen (echter B2B-Einkauf, eine Einkaufsabteilung, die ein SLA vom Anbieter verlangt), bekommen Sie für die Lizenzen konkrete Funktionen. Wenn nicht, zahlen Sie Enterprise-Preise für die Open-Source-Plattform zuzüglich Funktionen, die Sie deaktivieren werden.

Wie Sie wählen

Drei Fragen entscheiden die meisten Fälle:

  1. Brauchen Sie Adobe Commerce B2B oder ein vertragliches SLA? Wenn ja, ist das Adobe Commerce, und die Lizenzen sind der Preis dieser Anforderungen.
  2. Läuft Ihr Shop heute auf Magento Open Source? Der Wechsel zu Mage-OS ist ein kleiner Schritt mit geringem Risiko (gleiche Extensions, gleiche Entwickler), der den Releaseplan einem Projekt übergibt, dessen Prioritäten dieselben sind wie Ihre. Deshalb setzen wir bei neuen Open-Source-Projekten standardmäßig auf Mage-OS.
  3. Wählen Sie die Plattform ganz neu? Dann entscheiden Sie zuerst, ob Magentos Zuschnitt überhaupt passt: komplexe Kataloge, B2B, Multi-Store. Sind Ihre Anforderungen einfacher, ist Shopify meist die günstigere Antwort, und die ganze Frage erübrigt sich.

Wovor wir allerdings warnen: auf einer alten Version von Magento Open Source zu bleiben, um die Entscheidung zu vertagen. Adobes Sicherheits-Bulletins zu Magento enthalten Schwachstellen, die keinen Login voraussetzen und deren aktive Ausnutzung Adobe bestätigt hat, darunter CVE-2024-34102 (APSB24-40). Ein ungepatchter Shop bleibt ihnen ausgesetzt, bis er aktualisiert ist, und das Upgrade wird mit jedem Quartal teurer: dieselbe Dynamik, die Magento-1-Shops nach dem Support-Ende im Juni 2020 zu einem solchen Risiko gemacht hat.

Wir arbeiten mit Mage-OS ebenso wie mit Adobe Commerce, und an Ihrer Wahl hängt für uns kein Lizenzumsatz. Die vorstehende Argumentation ist dieselbe, mit der wir Kunden auf unserer Magento-Seite durch die Frage führen. Wenn Sie wissen wollen, was das für Ihren konkreten Shop heißt, mitsamt allen Extensions, führen wir dieses Gespräch gern: Vereinbaren Sie ein Erstgespräch.